Zehn Hochbeete laden zum Ernten ein

(Artikel in der WAZ Oberhausen vom 7.7.2021)

 
Michaela Konrad präsentiert einen selbst gepflanzten Salat aus den Hochbeeten. Projekt-Teilnehmer der Kurbel hatten die Beete angelegt.
 
Salate, Gemüse und Kräuter zum Abstauben: Entstanden ist der offene Garten an der Hospitalstraße bei einem Projekt der Gemeinwohlarbeit. Selbstbedienung ist ausdrücklich erwünscht.

Es grünt und wächst am Gartenzaun des Hauses Hospitalstraße 1 in Sterkrade, in dem die Kurbel, Katholisches Jugendwerk Oberhausen gGmbH, ein Beratungsbüro sowie eine Begegnungsstätte hat. In zehn prächtigen Hochbeeten wachsen Salat, Gemüse und Kräuter heran. Das Besondere: Wer hier zugreift, begeht keine Straftat. Im Gegenteil: Das „Urban-Gardening-Projekt“ ist als Einladung zur Selbstbedienung für Sterkrader Bürger gedacht, hier etwas Leckeres und Gesundes für die heimische Küche abzustauben.

Im Rahmen der Oberhausener Gemeinwohlarbeit haben Frauen und Männer die Hochbeete geplant, gebaut und bepflanzt. „Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer ein Projekt selbst erarbeiten“, sagt Miguel Kachellek, einer von drei Anleitern der Kurbel-Multiwerkstatt. „Wir machen alles, was man darf und kann, restaurieren zum Beispiel Bänke für eine Kita oder stellen etwas her, was jemand dringend braucht.“ Als gelernter Tischler, Orthopädieschuhtechniker und Arbeitspädagoge ist Kachellek selbst ein Multitalent und ein Garant fürs Gelingen unterschiedlicher Vorhaben.

Weil auch die Projekt-Teilnehmer unterschiedliche Talente und Vorlieben haben, haben sie sich die Arbeit aufgeteilt und Arbeitsgruppen gebildet. Motto: „Jeder bringt sich ein“. Los ging’s mit der Bauzeichnung. Es folgten Material-Auswahl, -Beschaffung und -Bearbeitung. „Holz für die Umrandung, Mäusedraht, Wasserschutz“, sagt Kachellek. In der Multiwerkstatt haben die Teilnehmer das Holz geschnitten und mit Holzschutz versehen, selbstverständlich kam eine ökologisch abbaubare Glasur zum Einsatz.

Verbrauchtes wird nachgepflanzt
Von der Werkstatt zum „Tatort“, dem Garten an der Hospitalstraße, haben Leute aus dem Sozialkaufhaus das Material gefahren. Dort hatten Projektteilnehmer bereits die Flächen begradigt und von Unkraut befreit. Gefüllt wurden die Behälter in mehreren Schichten, zunächst mit Reisig und Stöckchen, dann mit Blättern als Humusschicht, dann mit Pflanzerde. Die Pflanzen hatten die Gemeinwohl-Gärtner vorgezüchtet, Pfefferminze, Mais, Schnittlauch, Petersilie, Frühjahrszwiebeln, Kohlrabi, Salat. Ist etwas verbraucht, wird nachgepflanzt. Dafür zuständig sind die Frauen, die zurzeit an einem Projekt von SITAO, Soziale Integration und Teilhabe am Arbeitsmarkt in Oberhausen, teilnehmen.
 
Alle Beteiligten feierten mit den Initiatoren und Geldgebern – die Rotarier lieferten den nötigen Projekt-Eigenanteil – bei einem Brunch das Gelingen des offenen Gartens, wobei der selbst angebaute Salat nicht fehlte. „Es hat uns viel Spaß gemacht“, sagen Michaela Konrad und Benjamin Loitzl. Sie hat mit gestrichen und den Draht befestigt, er hat geschraubt, gestrichen, Holz geschnitten, Kästen verfüllt.
 
Eine Anregung zum Nachahmen? „Ich bin schon dabei“, sagt Michaela Konrad. „Ich mach ein kleines Beet für den Balkon und ich brauch noch einen Mann, der mir die Bretter sägt.“ Salat, Petersilie auch Paprika will sie anpflanzen, „weil die so teuer geworden sind“.